" Im Wunschelwald"

1. Kapitel - Überraschung aus dem See

 

 

Die Sonne erhob sich über den dichten Wald. Ihre glitzernden Morgenstrahlen ließen das Laub der Bäume aufleuchten.  

Der Wald erschien wie ein breites, warmes Band, welches sich schützend um sein Inneres legt.

Seine großen und alten Bäume verbargen so manches Geheimnis. Einige seltsame Wesen lebten dort und es geschah eine Vielzahl von eigenartigen Dingen. Jeder nannte ihn nur, den Wunschelwald.

So musste man wissen, dass der Wald nur von Jemand betreten werden könnte der ein reines Herz hatte.

Oder aber Derjenige wusste den geheimen Zauberspruch. Manche seltsame Besucher murmelten die magische Formel und im selben Augenblick wurde Ihnen der Einlass gewährt.

„Viele tausend Bäume, schützen die Magie und Zauberei,

hört auf mich, ich bin euer Herr- gebt mir den Weg frei!“,

und die knorrigen, alten Äste bogen sich auseinander.

 

Inmitten des Waldes war auf einer großen Lichtung ein silbrig funkelnder See.

An seinem Ufer wucherten vielerlei Schilfgras und manch andere Wassergräser.

Plötzlich ertönte lustiges Gekicher, das sich zu einem herzhaften Lachen entwickelte. Hinter dem dichten Gras, mitten im See, sah man wirre rötliche Haare aufblitzen, die aber sogleich wieder im Wasser versanken.

Doch schon tauchten sie an einer anderen Stelle wieder auf. Zu den roten Haaren gehörte ein kleines Mädchen, das nun im seichten Wasser stand.

Das erfrischende Nass reichte ihr bis zum Bauchnabel. Ihr zierlicher Körper war vor Begeisterung angespannt. Für ihr Alter war sie etwas zu klein. Doch das kümmerte die Achtjährige nicht, denn sie kannte keine anderen Kinder, bis auf einen Jungen, Kasimir.

Er war ihr bester Freund.

Das Mädchen hielt etwas in den Händen und beugte sich nach vorn, um genauer sehen zu können, was sie da gefunden hatte.

 

Langsam kam sie aus dem Wasser. Vorsichtig, immer darauf

bedacht ihren Schatz, den sie in den Händen hielt, nicht zu verlieren.

Am Ufer schüttelte sie ihren nassen Kopf, dass die Wassertropfen nur so davon spritzten.

Sie setzte sich auf das weiche, grüne Moos. Ihre langen roten Locken fielen wirr auf ihre Schultern und nun betrachtete sie das Innere ihrer Hände.

Zum Vorschein kam eine Schildkröte, die grün und gelb war. Staunend betrachtete das Mädchen ihren Fund. Aus ihren nassen Haaren löste sich ein Wassertropfen, der ihr über Stirn und Nase lief, bis er schließlich von ihrer stupsigen  Nasenspitze auf den Panzer der Schildkröte tropfte.

Plötzlich streckte die Schildkröte ihren Kopf aus dem Panzer und ihre kleinen schwarzen Augen funkelten das Mädchen an. In diesen Moment hörte das Kind, wie ihr Name gerufen wurde:

„HERMINA“,  

schallte es zu ihr herüber.

Erst jetzt bemerkte sie, wie viel Zeit vergangen war, wie lange sie sich am See aufgehalten hatte.

Sie streifte sich in aller Eile ihr Schürzenkleid über und lies die Schildkröte in der Schürzentasche verschwinden.

Wieder hörte sie ein lautes Rufen: “HERMINAAAAA!“

 

Schnell lief das Mädchen zu der kleinen schiefen Hütte, die in der Nähe des Sees zwischen den Bäumen hervorschaute. In der Tür stand wartend ihre Mutter.

Sie war eine schöne Frau, mit leuchtend grünen Augen und lustigen Sommersprossen, die sich um ihre Nase tummelten. Sie und Hermina waren sich wie aus dem Gesicht geschnitten. Ihre langen roten Haare hatte sie wie immer zu einem Zopf geflochten, der ihr locker über die Schulter fiel.

Die Arme in ihre Seiten gestemmt, stand sie da und schaute Hermina tadelnd an.                        

Doch schon zeichnete sich der Anflug eines Lächelns auf ihrem Gesicht ab. Sie konnte ihrer Kleinen nicht böse sein. Die Mutter ging zur Seite, sodass Hermina herein flitzen konnte.

 

 In der Hütte stand ein großer hölzerner Tisch mit zwei wackligen Stühlen, die nur so knackten und knarrten, wenn man sich darauf setzte.

Der Tisch war mit Tellern, selbst gebackenem Brot und ein paar süßen Beeren aus dem Wald gedeckt.

Beide setzten sich und begannen gemeinsam zu essen. Hermina rutschte unruhig auf ihrem Stuhl hin und her.

Sie konnte es kaum erwarten endlich in ihre Kammer zu kommen, um sich mit dem Inhalt ihrer Schürze zu beschäftigen.

 

Herminas Mutter schaute sie mehrmals aus den Augenwinkeln heraus an, fragte jedoch nicht was mit ihr sei. Sie dachte sich, dass das Mädchen bestimmt schon wieder irgendwelche Flausen im Kopf hatte.

 

Endlich war Hermina mit dem Essen fertig.

Blitzschnell verschwand sie in ihrer Kammer, setzte sich auf ihr Bett, zog ihre Beine heran und griff in ihre Schürzentasche.

Vorsichtig nahm sie die Schildkröte heraus und setzte sie vor sich auf das Bett.

Langsam streckte die Schildkröte ihren Kopf aus dem Panzer. Hermina beobachtete sie dabei voller Spannung.

Die Schildkröte sah ihr in die Augen und plötzlich war Hermina, als hätte ihr die Schildkröte zugezwinkert.

Sie schüttelte heftig ihren roten Lockenkopf.

“Nein! Das kann unmöglich sein.“

Doch da, sie tat es schon wieder und schien dabei noch zu lächeln!

Hermina war verwirrt.

Das Mädchen wusste zwar, dass im Wunschelwald so manche seltsamen und wunderbaren Dinge geschehen, aber dass sie hier bei ihr, eben in diesem Moment auf ihrem Bett geschehen, das war einfach zu aufregend.

 

 Es verging eine Weile bis Hermina sich wieder gefasst hatte. Sie blickte die Schildkröte fragend an und sagte zu sich selbst:

„Das muss ich geträumt haben.“

Sie wollte die Schildkröte gerade wieder vom Bett heben, als sie hörte, wie jemand sagte:

„Warte, lass mich hier oben. Ich bin Urla, eine verwunschene Schildkröte.“

Hermina hatte die Augen weit aufgerissen und saß kerzengerade vor Aufregung auf ihrem Bett.

„Eine sprechende Schildkröte?“,

fragte sie,

„ Hier bei mir? Aber wie kann das sein?“.

Urla die Schildkröte antwortete ihr:

„Du Hermina bist eine Waldhüterin. Du hast magische Fähigkeiten, denn du kannst zaubern. Und ich bin deine Begleiterin.“

 

(Auszug aus dem ersten von insgesamt zwölf Kapiteln)


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